Donnerstag, Mai 25, 2006

beinprothese

oft gehst du, manchmal wirst du gegangen. dann bist du ein fuß. wahlweise auch: ein bein. du wirst gehoben und wieder abgestellt, mitgeschleift, abgestellt. das ist so, wenn jemand anders dem beinträgerinnentum abgeschworen hat, vorübergehend, - und du doch immer schon ein bein sein wolltest, als da denn jemand auftauchte mit nur einem. jetzt bist du das zweite und siehst und willst oder sollst nicht sehen, dass der aufgetauchte mensch doch eigene beine hat, aber hochgezurrt, an den brustkorb und gefaltet, um sich ausgiebig zu verstecken, und wo das hinterteil sonst am boden läge, lässt du dich als zweites bein anwachsen, hast es dich tun lassen, ohne an die konsequenzen zu denken. wirst so gegangen und mitgeschleift und kannst auf keinen fall dem dritten ein bein stellen.

1 Comments:

Blogger Sontje mal Ehrlich! said...

Morgenstern: Ein Knie geht einsam durch die Welt. Es ist kein Haus, es ist kein Zelt. Es ist ein Knie - sonst nichts.

Sontje: Ein Bein zu sein, ist im Grunde etwas mächtiges. Denn es besitzt und lenkt das Knie, das sich immer wieder in neue Positionen begibt, und so das Leben aus verschiedenen Winkeln zu betrachten vermag. Angezogen, oder ausgestreckt. Also geh es eher nicht ums globale, sondern ums individuelle. Das Eine und das Andere. Und doch ist es ein Bein - im Ganzen. Nur die Analyse zerlegt. Und diese birgt in sich das Kopfzerbrechen.

11:49 PM  

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